Wärmebildkamera – Personensuche

Teil 4 der Gastartikelreihe von Wärmebildkameras im Einsatz zum Thema „Einsatz der Wärmebildkamera im Innenangriff“ beschäftigt sich mit dem  wichtigen Thema „Personensuche“.

Teile: Grundwissen Technik, Erkundung, Würfelblick, Personensuche, Brandbekämpfung

 

 

Personensuche

Der Körper der Person wird durch Pappe abgeschirmt, der Kopf lässt sich erkennen

Der Körper der Person wird durch Pappe abgeschirmt, der Kopf lässt sich erkennen

Vom taktischen Ansatz her sollte die Wärmebildkamera bei der Personensuche von dem Feuerwehrmann geführt werden, der zuerst vorgeht. Nur so ist es möglich, auch in engen Bereichen (zum Beispiel einem Flur) überhaupt etwas zu erkennen. Ist die Wärmebildkamera beim 2.Mann, sieht dieser oftmals nur die Signatur seines Truppkollegen. Weiterhin wird so sichergestellt, dass Gefahren direkt erkannt werden und nicht eine Gefahr (z.B. herunterhängende Stromleitung) durch den 1. Mann im Trupp verdeckt wird.

Für den Einsatz der Wärmebildkamera bei der Personensuche im Innenangriff gibt es jedoch noch weiteres zu beachten. So wird die Wärmesignatur einer Person sehr schnell abgeschirmt. Hier reicht bereits ein Blatt Papier oder eine dünne Pappe aus, um eine Person „verschwinden zu lassen“.

Man sollte hier also besonders darauf achten, dass ein Blick hinter alle Gegenstände geworfen wird, die abschirmen könnten. Natürlich ist weiterhin auch das Abtasten von zum Beispiel Schränken oder dem Bereich unter einem Bett notwendig.

An dieser Stelle kann erneut der Würfelblick zum Einsatz kommen. Man kann sich so einen schnellen Überblick über einen Raum verschaffen und den schnellsten Weg wählen, um hinter alle Hindernisse zu blicken.

Um Nachts festzustellen, ob sich vor kurzer Zeit noch Personen in einem Schlafzimmer befunden haben, kann ein kurzer Blick in das Bett geworfen werden, hier lässt sich eventuell noch eine Wärmesignatur erkennen.

Wärmesignatur eines Armes, der Körper wird abgeschirmt

Wärmesignatur eines Armes, der Körper wird abgeschirmt

Dies ist aber kein 100%ig sicheres Indiz, nur weil nachts keine Wärmesignatur in einem Bett entdeckt wird heißt dies nicht, dass sich in dem Raum keine Person befindet.

Wird jedoch eine Wärmesignatur entdeckt, sollte dies umgehend an den Einsatzleiter kommuniziert werden um die weiteren Suchmaßnahmen entsprechend zu organisieren.

Wichtig bei der Personensuche ist es, auf Kleinigkeiten zu achten. Selten wird ein Mensch ganz anhand seiner Signatur zu erkennen sein, meistens sind einige Körperteile durch Gegenstände abgeschirmt. Hier ist es also wichtig, auf verschiedenste Signaturen zu achten, vor allem Gliedmaßen wie Arme oder Beine schauen hinter Gegenständen hervor und lassen sich erkennen.

Ein Problem stellen auch Spiegelungen dar, hier ist es wichtig sich nicht täuschen zu lassen. Wir haben es erlebt dass nahezu alle Materialien mit einer sehr glatten Oberfläche (von Glas über Spiegel, zu Metalltüren, Kunststofffußböden und Fliesen) teils enorm spiegeln. Wenn ihr euch nicht sicher seid, ob Ihr eine Spiegelung seht, gibt es 2 einfache, aber dennoch enorm wirksame Möglichkeiten.

Spiegelung in einer Glasscheibe

Spiegelung in einer Glasscheibe

  1. Nutzt eure Handlampe/Helmlampe, um den Bereich aus dem die vermeintliche Signatur kommt, näher zu betrachten.
  2. Bewegt euch. Wenn sich die Wärmesignatur die Ihr seht auch bewegt, ist es eine Spiegelung. Dies geht sehr gut mit den Händen, einfach mal Winken – eine vermisste Person wird nur selten zurückwinken!

Bewegt euch. Wenn sich die Wärmesignatur die Ihr seht auch bewegt, ist es eine Spiegelung. Dies geht sehr gut mit den Händen, einfach mal Winken – eine vermisste Person wird nur selten zurückwinken!

Ebenfalls kann es dazu kommen, dass die Sichtweite einer Wärmebildkamera eingeschränkt wird. Dies kam bei den Versuchen an denen wir teilgenommen haben vor, vor allem wenn große Mengen von Kunststoffen (zum Beispiel von Matratzen oder Sofas)in der Brandlast enthalten waren. Wir haben hier teilweise erlebt, dass auch für die Wärmebildkamera „Nullsicht“ geherrscht hat – hier ist dann wieder der Einsatz der klassischen Suchtechniken notwendig.

 

Für weitere Informationen rund um das Thema Wärmebildkameras schaut doch einfach mal auf www.wbk-einsatz.de vorbei oder besucht unsere Facebook-Seite www.facebook.com/waermebildkamerasimeinsatz. Dort haben wir es uns zum Ziel gemacht, unabhängige und überprüfte Informationen über Wärmebildkameras für die Feuerwehr bereitzustellen.

Seit September gibt es dort auch unser Ausbilderhandbuch für die Freiwilligen Feuerwehren kostenfrei zum Download, hoffentlich ein weiterer Schritt für mehr gute Ausbildung mit der Wärmebildkamera in Deutschland.

 

Für Fragen stehen wir jederzeit gerne zur Verfügung.

Das Team von Wärmebildkameras im Einsatz

 

 




2 Antworten : “Wärmebildkamera – Personensuche”

  1. Werner Hilscher sagt:

    Wenn die WBK Nullsicht hat, einfach mal die Germaniumlinse kontrolieren. Ruß setzt sich nämlich auch da ab, genauso wie auf der Displayscheibe. Es kann unter Umständen öfters notwendig werden, Displayscheibe und Germaniumlinse zu reinigen. Danach hat man meistens wieder freie Sicht.

  2. Hallo, interessanter Artikel. Was mir persönlich fehlt ist der Faktor „Umgebungstemperatur“. Je nach Temperatur im Brandraum, Aufenthaltsort der bewusstlosen Person und „Aufenthaltdauer“ im Bereich kann eine Person nur schemenhaft (grau Stufen) bis gar nicht zu erkennen sein. Das sollte grundsätzlich berücksichtigt werden.

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