Lüdenscheider Feuerwehr will neue Helme: Konflikte zwischen Einsatzkräften und Wehrführung

Heute morgen sind wir auf folgenden Artikel via @andi_y_ aufmerksam geworden: Lüdenscheider Feuerwehr will neue Helme: Konflikte zwischen Einsatzkräften und Wehrführung

In diesem Artikel wird beschrieben, dass mehr als 100 haupt- und ehrenamtliche Kräfte den Helm F200 der Firma Schuberth tragen, der jedoch nicht mehr für den Innenangriff zulässig ist. Der Hersteller hatte auf Grund der gestiegenen Prüfungsanforderungen ein neues Modell, den F210, auf den Markt gebracht und  das Vorgängermodell als nicht mehr für den Innenangriff geeignet gekennzeichnet.

Der Schuberth F210 erfüllt die EN 443: 1997, dessen Nachfolger der F220 dagegen schon die EN 443: 2008 (siehe hierzu: Persönliche Schutzausrüstung für den Innenangriff – Eine Übersicht über die aktuellen Normen).

Die FUK Nord (zuständig für Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein) hat laut ihres Sicherheitsbriefes Nr. 19, seit 2002 den F200  ausdrücklich für den Gebrauch bei hohen Temperaturenn, also im Innenangriff, verboten. (siehe Helmtest: Feuerwehrhelme im Test)

Des Weiteren ist auch die vom Hersteller erlaubte Nutzungsdauer des Helmes in Lüdenscheid bereits überschritten.

Interessant ist auch die Aussage des Fachbereichsleiter in der Verwaltung:

Zum vermeintlichen Verbot der Helme sagte der zuständige Fachbereichsleiter Wolff-Dieter Theissen, dies gelte seines Wissens dann, wenn bei der Innenbrandbekämpfung kein Löschmittel verwendet werde. Die rechtlichen Fragen würden derzeit geprüft. Er habe die Feuerwehrleute gebeten, die vorhandenen Helme so lange weiter aufzusetzen, bis der Sachverhalt klar sei.

Anscheinend ist demjenigen nicht bewusst, dass es im Innenangriff (z.B. beim Kellerbrand), geschweige den bei plötzlichen Brandereignissen wie Rauchgasdurchzündung, es zu sehr hohen Temperaturen kommen kann.

Laut dem Artikel sind bereits 75 neue Helme beschafft, jedoch nocht nicht ausgegeben worden. In den Kommentaren wird als Grund genannt, dass diese noch nicht richtig beschriftet/beklebt sind.

Schade, dass hier aufgrund des Gelden an der Sicherheit der Feuerwehrleute gespart wird und wissentlich gegen Arbeitsschutzrichtlinien verstossen wird.

Wie ist eure Meinung dazu?




8 Antworten : “Lüdenscheider Feuerwehr will neue Helme: Konflikte zwischen Einsatzkräften und Wehrführung”

  1. Tja. Meine Konsequenz wäre ganz einfach: Nach FwDV 7, 7.1, Strich 1 ist jeder AGT für seine Sicherheit eigenverantwortlich. Keine geeignete PSA => kein Einsatz im Innenangriff. Das kann man gesammelt erklären. Damit dürfte sich das Problem schnell lösen. Zumindest die ehrenamtlichen Kräfte könnten damit leicht Druck machen.

    • Peter Colsman sagt:

      Warum nehmen Sie denn nich einfach, wie viele Berufsfeuerwehren, den bewährten Alu-Helm in neuer zertifizierter Ausführung, außenverstellbar, und er ist der Leichteste? Und natürlich für den Innenangriff zugelassen.Und sehr preiswert.

      Gruß Peter

  2. S. Koopmann sagt:

    Moin,

    kleine Berichtigung: Die HFUK-Nord ist auch für Hamburg zuständig.

    Gruß Sven

  3. Welche Beklebung auf dem Helm ist so wichtig, die eine Einbehaltung durch die Verwaltung rechtfertig?

  4. Stefan sagt:

    Die Sachlage dazu ist relativ klar und die zitierte Aussage des Feuerwehrsprechers ist mindestens weltfremd. Die Frage ist doch: Können im Einsatz Temperaturen entstehen, die den Helm überfordern? Wer diese Frage mit „nein“ beantwortet, der disqualifiziert sich damit selbst. Diese Erkenntnis ist doch schon viele Jahre alt und man hätte ausreichend Zeit gehabt, nach und nach die Helme zu ersetzen. Heisausbildung ist in Lüdenscheid offenbar auch unbekannt – sonst wäre man sich dieser Problematik nämlich schon bewußt.

  5. Welche Versicherung kommt den dann für die Kosten bei einem Unfall auf oder wird das ganze dann auf den einzelnen Feuerwehrmann abgewälzt der ja verantwortungslos gehandelt hat da er wusste das der Helm nicht für den Innenangriff freigegeben ist?

    Vielleicht müssten mal alle Kräfte dann Kollektiv die 6 bei allen Löschfahrzeugen drücken.

  6. Übrigens ist die Thematik der Hemlschäden bei hohen Temperaturen schon seit ca. 11 Jahren bekannt. Rundschreiben und Helmtest wurden veröffentlicht. Von daher kann ich nicht so ganz verstehen, warum man jetzt so überrascht tut. Wie Yannick bereits im Artikel erwähnte, haben die F200 Helme längst die Verwendungsdauer überschritten. Demnach hätte sicher vor Jahren schon ein Austausch stattfinden müssen. Gemessen an den gesamten Kosten für Feuerwehr-PSA ist der Helm schon fast das günstigste Teil. Ob allerdings die aktuelle Aktion zeilführend ist, weiß ich nicht. Ich wünsche den Lüdenschieter Feuerwehrleuten eine baldige Lösung des Konfliktes.

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