Rezension „Unfallverhütung im Atemschutzeinsatz“

Eigenverantwortung ist durch nichts zu ersetzen

Es kommt selten vor, dass das Vorwort eines Buches den wesentlichen Inhalt bzw. dessen Intention so komprimiert, pointiert und ermahnend wiedergibt, wie dies Lars Lorenzen im Roten Heft Nr. 95 „Unfallverhütung im Atemschutzeinsatz“ darlegt.

Lorenzen formuliert die Intention seiner Schrift mit folgender These: „Neben einer Sicherheitstruppstrategie ist es zumindest ebenso wichtig, die Sinne aller Einsatzkräfte für eine erfolgreiche Unfallprävention im Atemschutzeinsatz zu schärfen.“ Anders formuliert, heißt dies, dass auch die beste Sicherheitstrupptaktik nicht die Grundlagen des Atemschutzeinsatzes ersetzt.

Diese Grundlagen, oder das Grundlagenwissen, bilden im Prinzip das Thema Unfallverhütung im Atemschutzeinsatz. Denn nur das Beherrschen derselben vermeidet oder unterbricht eine Fehlerkette.

Lorenzen kategorisiert die Unfallfaktoren in fünf Aspekte – der sechste ist die Fehlerkette selbst. In seinen Ausführungen nimmt der Faktor „Mensch“ den größten Teil ein. Insbesondere verweist er immer wieder auf die in der Feuerwehrdienstvorschrift (FwDV) 7 formulierten Einsatzgrundsätze, die, trotz aller Kritik an der FwDV 7, deutlich zur Risikominimierung, und damit Unfallverhütung beitragen. Die weiteren Unfallfaktoren, Technik, Mission, Management und äußere Einflüsse legt er jeweils in eigenen Kapitel dar.

Doch auch wenn die menschlichen Fehlerquellen überwiegen – wie Lorenzen unter Rückgriff auf die Fehlerforschung in der Luftfahrt zeigt – gibt es eine ganze Menge, sich wiederholende technische Fehlerfaktoren, wie z.B. die falsche Fortbewegungsmethode, die Thematik Schutzkleidung oder die falsche Verlastung von Atemschutzgeräten. Dennoch – und dies betont Lorenzen mehrfach unter Verweis auf die FwDV 7 – Atemschutzgeräteträger handeln grundsätzlich eigenverantwortlich.

Andere Aspekte, wie der Einsatz selbst („Mission“) oder äußere Einflüsse, lassen sich zwar nicht kontrollieren, jedoch unter Zuhilfenahme, z.B. der Gefahrenmatrix, im Risiko minimieren.

Fehler der Führung – Lorenzen umschreibt dies mit dem Wort Management, um alle Führungs- und Verwaltungsebenen zu erfassen – lässt der Autor nicht unerwähnt, denn auch diese Entscheidungen sind Teil einer Fehlerkette und wirken auf die Unfallverhütung zurück.

Als Teil des Managments lässt sich indes auch die Atemschutzüberwachung (ASÜ) begreifen, auf die der Autor jedoch in einem eigenen Kapitel eingeht. Wohl deshalb, weil die ASÜ noch immer eine Stiefmutterdasein fristet. Lorenzen stellt nicht nur die Aufgaben der ASÜ dar, sondern – und das ist zentral – er zeigt die Irrelevanz einer rein zeitbasierten Überwachung. In dem Kontext mahnt er dann die obligatorische Festlegung des Rückzugdruckes an.

Das Thema Handhabung von Atemschutzgeräten greift Lorenzen explizit in einem eigenen Kapitel auf – auch hier betont Lorenzen die Eigenverantwortung und Eigeninitiative der Atemschutzgeräteträger.

Abschließend fordert Lorenzen indirekt eine zentrale Meldestelle für Atemschutzunfälle, er gibt aber auch Vorschläge, die zu einer Verbesserung der Qualität führen können. Hier nennt er erneut  den Bereich Luftfahrt als Vorbild.

Mit dem Buch „Unfallverhütung im Atemschutzeinsatz“ stellt Lorenzen in kompakter und übersichtlicher Weise die wichtigsten Aspekte bzw. häufigsten Fehler aus dem Bereich der Unfallverhütung im Bereich Atemschutz dar. Er bedient sich dazu zahlreichen Beispielen, Grafiken, Bilderserien, teilweise humoristisch formuliert. Deutlich sichtbar ist auch die in dem Buch verarbeitete Ausbildungs- und Einsatzerfahrung des Hamburger Brandamtmannes.

Der Wert des Buches liegt weniger in der Darlegung innovativer Konzepte, sondern in der kurzen  lockeren und kompakten Darstellung von Themen, die aus der Atemschutzausbildung bekannt sein sollten. Dieser Darstellungsstil erleichtert die Rezeption außerordentlich, und macht das Buch für die Atemschutzgeräteträgerausbildung und -fortbildung nützlich.

Lorenzens Buch ist damit eine Pflichtlektüre für alle Atemschutzgeräteträger und Atemschutzausbilder sowie alle anderen mit dem Aspekt Atemschutz befassten Aufgabenbereiche, die eine Wiederauffrischung ihres Wissens und besonders eine Erinnerung an das Thema Eigenverantwortung benötigen.

Lars Lorenzen: Die roten Hefte Nr. 95: Unfallverhütung im Atemschutzeinsatz, 1. Aufl., Stuttgart 2011: Kohlhammer Verlag.  102 S.: Ill., graph. Darst.

 

Buchverlosung

Um an der Verlosung des Roten Heftes Nr.95 Unfallverhütung im Atemschutzeinsatz teilzunehmen, müsst ihr einen Kommentar zum Thema Unfallverhütung im Atemschutzeinsatz verfassen.

Die Verlosung dauert bis zum 10. Oktober 2011, 24 Uhr MESZ. Jeder Kommentar bekommt dann von uns eine Nummer. Der Gewinner wird dann anschließend durch random.org gezogen.

Bitte beachtet, dass pro Person nur ein Kommentar zählt. Gibt jemand also mehrere Kommentare ab, dann zählt nur der erste. Achtet ferner darauf, dass ihr eine gültige Emailadresse hinterlasst. Diese müsst ihr nicht in den Kommentartext eintragen, es genügt, wenn diese in euren Anmeldedaten hinterlegt ist. Sollte jemand binnen einer Woche nicht auf seine „Gewinnnachricht“ reagieren, auf den Gewinn verzichten, oder eine ungültige Emailadresse hinterlassen haben, ermittlen wir mit dem Zufallsgenerator einen neuen Gewinner.

Herzlichen Dank an den Kohlhammer Verlag für die Bereitstellung des Buches an Stefan Cimander, der für uns diese Rezession verfasst hat.

[Titelbild: Kohlhammer Verlag]




52 Antworten : “Rezension „Unfallverhütung im Atemschutzeinsatz“”

  1. Patrick sagt:

    Hallo,

    bin gespannt was man sich denn unter der ‚Irrelevanz einer rein zeitbasierten [ASÜ] Überwachung‘ vorstellen darf.

    Gruß
    Patrick

  2. Wie immer von Stefan Cimander, gute Arbeit die Rezi 😀

  3. Ich bin sehr gespannt auf diese Publikation. Solch ein Werk ist schon längst überfällig.

  4. Ich finde gerade im Bereich Atemschutz darf man keine Fehler machen. Da kann das Buch bestimmt viele neue Hinweise liefern!

  5. Schon die Überschrift würde ich vorbehaltlos unterschreiben: Auch wenn der Einheitsführer „der Chef im Ring“ ist, können Unfälle nur verhütet werden, wenn sich die unter Atemschutz vorgehenden Trupps bewusst sind, dass sie das „verlängerte Auge“ des Einheitsführers sind und daher eigenständig Verantwortung für sich und andere übernehmen müssen.

  6. Gute Rezension. wäre auch nicht abgeneigt. 😉

  7. Hallo!

    Kenne das Buch zwar (noch) nicht habe aber schonmal einen Vortrag dazu von Lars gehört und kann nur sagen, das es wie Stefan schon geschrieben hat „aus der Praxis für die Praxis“ ist und sich auch nach dem Lesen des Buchs der Vortrag lohnt.
    Und natürlich auch großes Lob an Stefan für die Rezension!

    Gruß
    Hauke

  8. Vielen Dank an n Stefan Cimander für die Rezi.

    Muss echt sagen, dass es mir auch schon des Öfteren aufgefallen ist, das mit dem Thema UVV immer mehr larifari umgegangen wird.
    Es hängt u. A. vom Einheitsführer bzw. Zugführer ab. Die oft nach dem Motto „nichts sehen, nichts hören, nichts sagen“ arbeiten.
    Bin mal gespannt, ob sich im Buch das wiederfindet, was ich auch schon lange bei uns beanstande.
    Würde mich freuen es lesen zu dürfen!

  9. Atemschutzeinsätze gehören mit zu den nicht ganz so harmlosen Tätigkeiten im Feuerwehreinsatz wie machneiner glauben mag. Deswegen ist neben guter Ausbildung und Übung auch die Kenntnisse über mögliche Unfälle absolut wichtig. Nur wenn ich die Risiken kenne, kann ich sie vermeiden. Das Heft ist eine wichtige Ergänzung der laufenden Aus- u. Fortbildung für AGT.

  10. die Fwdv 7 ist für den Atemschutzeinsatz schon lange nicht mehr ausreichend. Eine vernünftige Standortausbildung ist daher zwingend notwendig, dabei hilft das neue heft bestimmt gut weiter.

    wäre schön wenn wir es dazu nutzen könnten = )

  11. Leider wird im Ausbildungs- und Einsatzdienst die Anwendung von diversen Unfallverhütungsvorschriften immer mehr verdrängt.
    Jedoch ist die konsequente Anwendung von UVVen ein elementarer Bestandteil der Ausbildungskette, um bereits im Vorfeld des Atemschutzeinsatzes möglicherweise vermeidbare Unfallursachen auszuschließen.

  12. Bin sehr gespannt auf das Buch, einen Unfall verhüten ist immer die bessere Wahl als sich nur auf das Notfalltraining zu verlassen.

  13. Moin,

    schöne Rezension, macht Lust auf das Buch. Wobei gerade das Thema ASÜ immer besser wird und zeigt das man diese Sachen immer und immer wieder als wichtig betonen muss.

    Gruß
    Tom

  14. Hallo

    Jede Unterstützung die kurz und präziese zu einem Fazit kommt ist eine sinnvolle für Führungskrafte.

  15. Ich würde mich auch über diese sinnvolle Lektüre freuen.
    Aber solange Führungskräfte nicht dahinterstehen wird es wahrscheinlich keine Veränderungen geben.

  16. Christian sagt:

    Die Rezension klingt doch mal sehr vielversprechend!

  17. Ich finde es gut, daß es jetzt auch für den Atemschutzeinsatz eine UVV gibt. Diese war in meinen Augen schon lange überfällig.

  18. Patrick sagt:

    Kann man auf jeden Fall gut gebrauchen für die Feuerwehr. Wenn man die FwDV 3 kann ist dies eine gute Erweiterung erstrecht für jeden Atemschutzgeräteträgern.

    Liebe Grüße,
    Patrick.

  19. Ich bin sehr gespannt auf die Lektüre. Denn es gibt schon einiges zum Thema Notfalltraining, aber es ist doch noch wichtiges solche Unfälle zu vermeiden.

    Zudem kann man als Ausbilder mit den roten Heften sehr gut arbeiten.

  20. meiner meinung nach ein sehr notwendiges buch, welches man schon viel früher hätte gebrauchen können, da im Atemschutzeinsatz schnell etwas passieren kann.

  21. Selbstverantwortung ist wichtig. Nur traurig das man es den Leuten eintrichtern muss. Eigentlich selbstverständlich, ist doch überall so. GMV 4 ever

  22. Ich denke, dass sich beim Atemschutzeinsatz um eine der gefährlichsten aller Tätigkeiten bei der Feuerwehr handelt.

    Es treffen im Innenangriff viele Gefahren aufeinander, z.B. Nullsicht bei einer unbekannten Umgebung, Atemgifte, Hitze/Die Gefahr der Durchzündung u.v.m..

    Gegen einige dieser Gefahren schützt uns unsere Ausrüstung. Aber eben nicht gegen alle. So hat jeder Atemschutzgeräteträger eine besondere Verantwortung für sich und seinen Trupppartner.

    Um aber auf Gefahren adäquat reagieren zu können muss man sich deren bewusst sein. Und um nicht jede schmerzhafte Erfahrung selbst machen zu müssen, bietet es sich an, sich vorher zu informieren.

    Notfallkonzepte sind zwar gut und schön, aber viel wichtiger ist es doch, Notfälle zu vermeiden. Daher denke ich, dass es wichtig und richtig ist, dieser Thematik ein Buch zu widmen.

  23. Sehr gut geschrieben! Kann ich als Neueinsteiger durchaus brauchen.

  24. Ich finde es fast schon faszinierend, wie viel Fachliteratur in diesem Bereich in den letzten Jahren erschienen ist. Das ist meines Erachtens für Leute, die das freiwillig machen kaum noch zu überblicken, auch wenn sich sicherlich oft Inhalte in den verschiedenen Werken wiederholen.

  25. Wer rastet der rostet! So ist es auch bei der Fortbildung der Atemschutzträger, nur wer sich fortbildet kann auch in Gefahrensituationen richtig handeln. Dieses Buch ist ein muss für jede qualitativer Fortbildung.
    Ich hoffe das ich bald darin lesen darf.

    MkG

    Dennis M.

  26. Hallo

    wollte an der Verlosung teilnehmen weil ich der Zeit den Truppfüher mach und wie heißt es so schön man kann nie genug lernen vorallem was Unfallverhütung angeht. Wie in manchen Kommentaren schon geschrieben wurde ist der Innenangriff zimmlich gefährlich, wenn man nicht richtig weiß wie man was verhindern kann und daher, denk ich das diese Buch schon verdammt wichtig ist und auch sehr nützlich sein kann, wenn man mal sich ab un zu schlau machen kann.

  27. eigentlich ein muss für jeden AGT’ler, sollte jeder im Schrank oder spind haben

  28. Rafael Klinnert sagt:

    Ein sehr wichtiges Thema, dass in vielen Feuerwehren noch nicht ernst genommen wird. Nicht nur UVV im Atemschutzeinsatz.

  29. David Kolo. sagt:

    Eine gute Rezension wo hervor geht, dass dieses Buch als Pflichlektüre einer Führungskraft in der Feuerwehr angesehen werden kann und somit in dessen Bücherregal nicht fehlen darf!

  30. Sebastian Kaiser sagt:

    Ein wichtiges Thema, das oft unter den Tisch gekehrt wird, wird jetzt offen, konstruktiv und mit ein Prise Humor aufgearbeitet. Bin gespannt…

  31. Mathias sagt:

    Ein wichtiges Thema, das in keiner Ausbildungseinheit fehlen darf, um das Risiko von Verletzungen oder sogar Atemschutznotfällen zu minimieren.

  32. Gerade im PA Einsatz kann es sehr schnell zu brenzligen situationen kommen, in denen unfälle passieren (können). daher ist dieses Thema auch bei Aus-, Fort- und Weiterbildung nicht zu vernachlässigen!

  33. Hört sich auf alle fälle gut an. Denke schon dass ich mir das zulegen werde.

  34. Unfallprävention im Atemschutz ist sicherlich ein sehr wichtiges Thema und sollte fest im Übungs- und Ausbildungsplan verankert sein.

    Menschen machen Fehler, da das Irren Menschlich ist. Aber man kann diese Fehler durch gezielte Ausbildung minimieren und somit Unfälle vermeiden.

  35. Chris H. sagt:

    Ich möchte auch „nur“ an der Verlosung teilnehmen, weil damit die Ausbildung an unserer Feuerwehr bestimmt um einiges im Gebiet Atemschutz verbessert werden kann

  36. Zeiler Markus sagt:

    Denke das das Büchlein sicher in Österreich auch seine Gültigkeit und nutzen hat… oder??

  37. Florian sagt:

    Ein interessantes Buch.

  38. Michael sagt:

    Bin mal gespannt wie das Buch ist. Oft werden ja die Unfallverhütungsthemen von Jedermann verdrängt das es oft recht trockene Themen sind. Aber neue Anregungen sind immer willkommen.

  39. Rieser Daniel sagt:

    „Eigenverantwortung ist durch nichts zu ersetzen“ Kernaussage und wird leider auch vielzuoft vernachlässigt.
    Vielleicht kann dieses NAchschlagewerk ja ein wenig „Licht ins Dunkle“ bringen.

  40. Joachim sagt:

    Sehr gut auf dieses Thema genau eingegangen wird. Am Atemschutz kann ein Menschenleben hängen.

  41. Christian sagt:

    @ Daniel: Sehr richtig! Doch auch diese Eigenverantwortung muss geschult werden 😉

  42. Hartmann sagt:

    >>Lorenzens Buch ist damit eine Pflichtlektüre für alle Atemschutzgeräteträger und Atemschutzausbilder sowie alle anderen mit dem Aspekt Atemschutz befassten Aufgabenbereiche, die eine Wiederauffrischung ihres Wissens und besonders eine Erinnerung an das Thema Eigenverantwortung benötigen.<<

    Mal schauen, was die Verlosung bringt

  43. Eine UVV ist unerlässlich beim Atemschutzeinsatz da die Gefahren zwar bekannt sind aber nicht immer richtig oder nur zum Teil unvollständig vermittelt werden.

  44. Das ist bestimmt eine sehr interessante Lektüre sowohl für AT-Neulinge (wie ich es bin) als auch für „alte Hasen“, die schon jahrelang in Atemschutz-Einsätze gehen (wie meinen Mann).

  45. Ein nicht zu unterschätzendes Thema. Ich erwarte dieses Buch schon mit Spannung, und werde es mir auch ohne Gewinn zulegen.

  46. Unglaublich wichtiges Thema, sollte man in der FF ständig auffrischen. In BF und WF natürlich auch. Grüße aus Bochum.

  47. Hört sich ja schonmal gut an. Hoffe es steht dann auch in meiner Bibliothek……. VlG Christoph

  48. Ich verspreche mir einen hohen Praxisbezug in diesem Heft. eigenverantwortung im Atemschutz bedeutet auch verantwortlich auf das Thema zugehen zu können. Dazu muß man wissen, worum es geht – für mich gehört eine entsprechende Sensibilisierung in jede GT-Ausbildung.

  49. Mathias Sobieroj sagt:

    Meiner Meinung nach ein Thema, dem noch viel zu wenig Beachtung zukommt.

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