Persönliche Schutzausrüstung für den Innenangriff – Eine Übersicht über die aktuellen Normen

Die persönliche Schutzausrüstung (PSA) ist für einen Innenangriff besonders wichtig um genügend Schutzwirkung zu haben und Verletzungen vorzubeugen.

Aber welche Schutzkleidung ist erforderlich?

Hier ein kurzer Überblick über die einzelnen Komponenten und deren aktuelle Norm.

(Keine Werbung für die gezeigten Hersteller und Produkte)

 

Flammschutzhaube/ Nomex-Haube/ Hitzeschutzhaube

Flammschutzhauben werden oft auch als Nomex-Hauben oder Hitzeschutzhauben bezeichnet.

Die Schutzhaube schützt den Atemschutzgeräteträger (AGT) von Verbrennungen und Hitze.

Sie wird aus Materialien wie Nomex, PBI, Carbon-X usw. gefertigt.

Die Flammschutzhaube ist aktuell nach der DIN EN 13911 genormt.

Die Kennzeichnung für die Norm ist auf einem Aufnäher in der Flammschutzhaube angebracht.

 

Helm

F1 SF

Helme schützen den Kopf des Feuerwehrmannes oder der Feuerwehrfrau.

H3000

Helme für den Innenangriff existieren in verschieden Formen: Vollschalenhelm (hier am Beispiel des MSA-Gallet F1 SF), ¾ Schalen-Helm und sogenannten Halbschalenhelme (hier am Beispiel des Bullard H3000).

Es wird dabei in der aktuelle Norm unter Helmtyp A (Schutzbereich 1a, Halbschalenhelm) und Helmtyp B (Schutzbereich 1a+1b, ¾ Schalen- bzw. Vollschalenhelm) unterschieden.

Für den Innenangriff muss der Helm mindestens nach EN 443 zugelassen sein. Die aktuelle Norm für Helme ist die EN 443: 2008.

Der Helm sollte nur mit einem geeigneten Nackenschutz getragen werden, für den Innenangriff empfiehlt sich ein sogenanntes Holland-Tuch (Rund-Um-Nackenschutz). Das Holland-Tuch bietet mit der Flammschutzhaube den bestmöglichsten Schutz für den AGT im Innenangriff.

Nach der EN 443: 2008 müssen Nackenschutz und Zubehör (wie Helmlampen usw.) vom Hersteller mit dem Helm geprüft und zugelassen werden.

Die Kennzeichnung für die Norm ist auf einem Aufkleber (orange Markierung auf den beiden Bildern) in der Helmschale angebracht. In den beiden Bildern sieht man ebenfalls die Kennzeichnung der Helme Typ A und Typ B (rote Markierung auf den Bildern).


 

Die EN 443: 2008 fordert kein Visier am Helm, sind die Helme mit Visieren versehen, müssen diese nach der EN 14458: 2004 geprüft sein. Der Augenschutz, wenn am Helm angebracht, sollte nach der EN 166 zertifiziert sein. Der Hersteller ist verpflichtet an dem Visier eine Kennzeichnung durch ein Typenschild vorzunehmen. (siehe Bild: Beispiel der Kennzeichnung eines klaren Visieres bei MSA Gallet)

 

 

Abnehmbare Visiere (außen am Helm angebrachte Visiere usw.) sollten im Innenangriff generell abgenommen werden, da diese schmelzen können oder unnötig beschädigt werden können.

 

Handschuhe

Handschuhe aus Elchleder

Der Schutz für die Hände ist gerade im Innenangriff sehr wichtig, da man sich in Bodennähe bewegt und schnell mal mit Händen in Wärmeglut auf dem Boden gerät, ebenso kann der Wasserdampf bei den Löscharbeiten für Verbrühungen im Bereich der Hände sorgen.

Die Einsatzhandschuhe werden aus verschiedenen Materialien gefertigt, wie z.B. Nomex, PBI, Elchleder.

Handschuhe für den Innenangriff sind aktuell durch die EN 659: 2003 (genau nach der EN 659: 2003 + A1: 2008 bzw. DIN EN 659: 2008) genormt. Hierzu gibt es auch einen eigenständigen Artikel zum Thema Die aktuelle Norm für Feuerwehrschutzhandschuhe.

Die Kennzeichnung für die Norm ist auf einem Aufnäher in den Handschuhen angebracht.

 

Stiefel

Stiefel schützen die AGT im Innenangriff auf vielseitige Weise. Sie schützen die Füße einerseits vor Glutnester und andererseits mit der Stahlkappe und der durchtrittsicheren Sohle vor ungewollten Verletzungen durch Fremdgegenstände.

Es gibt für den Feuerwehrdienst unterschiedlichste Hersteller und Typen (hier: Schnürstiefel (links) und Lederschlupfstiefel (rechts)).

Feuerwehrstiefel müssen aktuell der Norm DIN EN 15090 Typ 2 entsprechen.

Die Kennzeichnung der Stiefel erfolgt meist durch eine Prägung auf dem Stiefel mit einem Symbol. (Bilder rechts)

 

Überjacke/ Einsatzjacke

Die Einsatzjacke bzw. die Überjacke schützt den gesamten Oberkörper des AGT im Innenangriff vor Wasserdampf bei den Löscharbeiten (Verbrühungen) und den Flammen (Verbrennungen).

Es gibt mittlerweile unzählige Hersteller und Varianten für die Brandbekämpfung im Innenangriff.

Die Norm für die Überjacken ist die EN 469: 2005. Es wird empfohlen Jacken mit der Leistungsstufe 2 (X2, Y2, Z2) zu verwenden.

Die Kennzeichnung der Überjacke ist auf einem Aufnäher im Jackeninneren aufgedruckt.

Die Leistungsstufe der Überjacke ist ebenfalls auf diesem Aufnäher aufgedruckt.

X kennzeichnet die Stufe des Wärmeübergangs (Wärmeisolation).

Y bezeichnet die Leistungsstufe der Wasserdichtheit.

Z kennzeichnet die Leistungsstufe des Wasserdampfdurchgangswiderstandes.

 

Überhose/ Einsatzhose

Die Überhosen schützen den Beinbereich der AGT vor Glutnester, Wasser, Wasserdampf und Flammen.

Auch bei den Überhosen gibt es jede Menge Hersteller und verschiedene Varianten, sowie Ausführungen für den Innenangriff.

Auch hier gilt die EN 469: 2005, aber es gibt zwei Möglichkeiten:

  1. Überhose nach EN 469 mit Leistungsstufe 2, oder
  2. Überhose nach EN 469 mit Leistungsstufe X1 in Kombination mit einer Hose nach EN 531

Die Kennzeichnung der Überhosen befindet sich ebenfalls auf einem Aufnäher im Inneren der Hose.

 

Quellen:

 

 




10 Antworten : “Persönliche Schutzausrüstung für den Innenangriff – Eine Übersicht über die aktuellen Normen”

  1. Wo steht denn geschrieben, dass bei Schutzklasse 1 bei Überhosen eine zusätzliche Hose nötig ist? Ich konnte das nirgends finden.

  2. Mike kober sagt:

    Darf man auch einen amerikanischen feuerwehrhelm tragen z.b. Den morning pride b2 plus low??? Danke schon ma

    • Hallo.

      Leider ist er ja nicht nach den europäischen Anforderungen der EN 443: 2008 geprüft und zugelassen.

      Meine persönliche Meinung:
      Ich würde nur einen Helm nach der aktuellen Normung EN 443: 2008 tragen.
      Die Anforderungen an die Helme sind wirklich hoch und es gibt mittlerweile zahlreiche gute Helme auf dem Markt.

      Ich persönlich nutze zurzeit zwei den MSA Gallet F1 SF (für die Ausbildung) und als Diensthelm in meiner Feuerwehr den Bullard H1500.
      Beide Helme sind echt gut, wobei ich den H1500 bevorzuge.

      Es gibt auch einen Helm in US Form von Bullard, den einzigen mir bekannten nach der EN 443: 2008 (Bullard FXE).

      Ich hoffe dir weiter geholfen zu haben.

      Mit kameradschaftlichen Grüßen
      Florian

  3. Kai B. sagt:

    Hallo,

    ich habe mal ne Frage: sind Überjacken nach der EN 469:1995 noch zulässig ?

    Danke im vorraus 😉

    kameradschaftlicher Gruß

    • Christian Pannier sagt:

      Ja, sind sie.
      Zunächst mal bezieht sich die Norm auf die Herstellung und nicht auf die Anwendung, d.h. der Anwender ist von einer Normänderung nicht betroffen.
      Aber auch bzgl. der Herstellung wäre EN 469:1995 heute theoretisch nicht möglich, da die Zertifikate damals zeitlich unbefristet ausgestellt wurden. Praktisch wird aber wohl niemand mehr nach alter Norm beschaffen.

  4. Mal eine Frage zur Flammschutzhaube: Um bei uns zugelassen zu sein müssen diese EN zertifiziert sein. Wenn ich nun eine aus den USA bestelle – welche Zertifizierung muss es dort sein um auch den bei uns geltenden EN gerecht zu werden.

  5. Gibt es irgendwo vorgaben wie oft die Überjacke und Hose gereinigt werden dürfen ?

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