Kühlen mit Wasser ja, aber nicht die PSA…

Unsere Schutzkleidung für den Innenangriff, die nach Hupf oder EN 469 geprüft ist, hat die Aufgabe uns bei einer schlagartigen Durchzündung den größtmöglichen Schutz gegen Feuer zu bieten.

Zusätzlich zu dem Oberstoff und dem Innenfutter besitzt die Schutzkleidung in aller Regel eine Membrane, die das Eindringen von Wasser bzw. Feuchtigkeit von aussen nach innen verhindern soll. Die Membrane ist des Weiteren atmungsaktiv und soll die vom Körper abgegebene Feuchtigkeit nach aussen transportieren. Das Funktioniert aber umso schlechter, je höher die Temperatur in der Umgebung ist, an der die Feuchtigkeit abgegeben werden soll. Beim Innenangriff ist diese üblicherweise recht hoch.

Es gibt am Markt auch Schutzkleidung ohne Membrane, dort wird die Wasserdurchlässigkeit durch eine Imprägnierung versucht zu vermindern.

Soweit aber zum Thema Membrane, als Grundlage für die folgenden Ausführungen.

Artikel - Kühlen mit Wasser ja, aber nicht die PSA

 

Durch einen Hinweis eines Kameraden, sind wir auf den Artikel aufmerksam geworden. Der Artikel ist nicht sonderlich auffällig. Der Inhalt eines Container gerät in Brand, aufgrund des Brandgutes entschloss man sich für die Entleerung des Containers. Durchaus kein unübliches Einsatzszenario….

 

 

Das besondere an dem Artikel stellt das Bild und die Aussage darunter dar:
„…Die Hitzeentwicklung war enorm. Immer wieder ließen sich die Feuerwehrmänner währen des Einsatzes selbst kurz mit Löschwasser abkühlen.“

Des Weiteren möchte ich noch folgenden Satz anführen:„…Temperaturen bis zu 300 Grad Celsius registrierte Einsatzleiter…“

Zuerst dachte ich an eine nicht optimale Berichterstattung durch die Presse, aufgrund von fehlendem Fachwissen. Das Bild belegt aber die Aussage, dass die PSA tatsächlich massiv bewusst mit Wasser beaufschlagt wurde!

Das birgt folgende Probleme / Gefahren:

  • Wasser wechselt bei ca 100°C den Aggregatzustand und wird zu Wasserdampf. Unsere Membrane ist zwar dafür vorgesehen, aber nur bedingt!
  • Membranen können Wasserdampf durchlassen
  • Der Durchschlag der Temperatur durch die Schutzkleidung ist erst zu spüren, wenn es zu spät ist.
  • Durch das massive Aufbringen von Wasser und die Temperaturen (300°C) wird enorm viel Wasserdampf erzeugt, der direkt durch die Schutzkleidung auf den Körper wirkt!
  • Die Gefahr der Verbrühungen steigt um ein vielfaches, durch das massive Aufbringen von Wasser direkt auf die Schutzkleidung

Auf dem Bild werden vermutlich Hosen nach Hupf Teil 2 Hosen getragen. Diese bieten keinen Schutz durch eine Membrane, der heiße Wasserdampf wirkt damit direkt auf die Haut der Einsatzkräfte. Diese Vorgehensweise, ist mindestens fahrlässig, und gefährdet die Gesundheit der Einsatzkräfte.

Zumal Temperaturen um 300°C nichts außergewöhnliches im Innenangriff sind. Bei bekannten Realbrandausbildungen werden durchaus höhere Temperaturen erreicht.

Sollten bei einem Innenangriff zu hohe Temperaturen wirken, und ein Vorgehen aufgrund dessen nicht möglich sein, müssen durch den Einsatzleiter andere taktische / technische Maßnahmen den Einsatzerfolg sicherstellen bzw. zu diesem führen.

Alternativen wären hier zum Beispiel, die Wurfweite des Strahlrohres  nutzen, Netzmittel zumischen, Abstand halten oder längere Werkzeuge zum entleeren nutzen….ggfs. Unterstützung zur Entleerung des Containers durch technische Gerät, Bagger, Wechselladerfahrzeug etc.

Patentrezepte für den beschriebenen Einsatz kann man sicherlich als Außenstehender nur schwer geben.

Nichts desto trotz besteht durch das Aufbringen von Wasser direkt auf die Schutzkleidung eine erhöhte Verbrühungsgefahr.

Nicht umsonst, wird in diversen Realbrandausbildungen durch gezielte(!) Arbeit mit dem Strahlrohr, die Wirkung von Wasserdampf auf die Schutzkleidung demonstriert um auch unter anderem die Grenzen der Schutzkleidung aufzuzeigen!

Das Kühlen von Gegenständen die vom Feuer bedroht sind oder in Flammen stehen macht durchaus Sinn, aber lasst das Wasser von der PSA wenn ihr es vermeiden könnt!

 




4 Antworten : “Kühlen mit Wasser ja, aber nicht die PSA…”

  1. klaus sagt:

    Man beachte auch das Standardthermometer eines jeden Feuerwehrhelmes: das Visier. Wenn geschmolzen dann war es zu heiß.

  2. thorsten sagt:

    Es ist schon ein paar Jahre her aber ich erinnere mich gut an diesen Einsatz.

    Wir wurden zu einem ausgedehnten Wohnungsbrand gerufen. Temperaturen über 300 Grad. Die Flammen schlugen beim Eintreffen an der EST durch Fenster und Türen nach Aussen.

    Als wir uns im eigentlichen Brandraum befanden und mit dem indirektem Löschangriff begannen platze der Schlauch. Durch die große Hitze wurde sofort soviel Wasserdampf erzeugt das wir schlagartig nichts mehr sehen konnten. Sofort gaben wir über 2mtr Wasser halt, doch wie jeder weis dauert das einen Augenblick. Der Wasserdampf schlug nach wenigen Sekunden durch unsere Schutzkleidung. Wir verspürten trotz Hose und Pullover unter der Schutzkleidung den massiven Wärmeaufschlag auf der Haut. Es war kaum noch auszuhalten. Wir entschieden uns zum sofortigem Rückzug aus dem Brandobjekt. Ausser leicht geröteter Haut ist zum Glück nichts passiert.

    Nach diesem Einsatz wurde mir bewusste wie gut unsere Schutzkleidung ist aber auch welchen Nachteil sie hat und vor allem das sie eine Überkleidung ist. Der Einsatz war im Winter, was wäre passiert wenn es Sommer gewesen wäre und wir evtl. keine lange sondern eine kurze Hose unter der Schutzkleidung getragen hätten ?

  3. tobias sagt:

    Die heute beschaffte Hosen sind doch meines Wissens nach keine Überhosen mehr oder? Hupf4B ist doch gedacht um nur die Hose ohne Baumwoll-Unterzeug zu tragen oder?

    MkG

  4. In diesem Fall hätte man den Container erst 3-4 Minuten ein Schaumrohr reinhalten sollen. Folge wäre ein drastischer Temperaturabfall. Im Anschluss hätte man unter dauerhaften abgabe von Wasser den Container ruig leerräumen können (undzwar ohne 40 Einsatzkäfte vor Ort).
    Dies ist wieder ein Paradebeispiel für eine fehlgeschlagene Einsatzleitung. Wären wir als Feuerwehr in der Freien Marktwirtschaft tätig würde ein solches Aufgebot an Einsatzkräften bei einen so kleinen Brand dafür sorgen, dass der verwantwortliche sein Job verliert.
    Zur Einsatzkleidung:
    Benässte Überkleidung hat im Innenangriff nichts verloren. Jeder weiß bzw. sollte wissen, dass das Luftpolster (welches bei nasser kleidung nichtmehr vorhanden ist) zwischen Haut und Kleidung die Hitze blockt, nicht der Stoff ! Hier kann ich nur berichten, dass mir nachdem ich einen Kellerbrand gelöscht hatte mir jemand als Lob auf die Schulter geklappst hat. Folge war Verbrennung 2. Grades! Damit ist nicht zu Spaßen. Deswegen sag ich auch Hände Weg von Einsatzkräften, die aus dem Innenangriff kommen, außer sie machen sich so bemerkbar, dass ihr den Panikverschluss öffnen sollt !

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