Mit dem Pressluftatmer auf Tauchstation

Wenn ein vollausgerüsteter Atemschutzgeräteträger einem kleinen Kind gegenüber steht, könnte es gut möglich sein, das es fragt ob man tauchen möchte. Denn mit den Flaschen auf den Rücken sieht man ja einem Taucher schon ein Mal etwas ähnlich. Aber kann man das wirklich, Tauchen mit Pressluftatmern?
Dieses Thema sollte mal näher beleuchtet werden, also suchte ich zunächst im Internet und fand ziemlich schnell die Website der Freiwilligen Feuerwehr Markt Elschkam, die bereits zusammen mit einem Tauchsportzentrum eine Tauch- / Schwimmübung mit Pressluftatmern gemacht haben.
Ich nahm Kontakt mit Herrn Thanner, dem Vorstand der Feuerwehr auf (www.ffw-markt-eschlkam.de), dieser stellte mir dankenswerterweise Bilder von der Übung zur Verfügung. Ebenfalls schilderte er noch ein paar seiner Erfahrungen.

Nach diesem ersten Eindruck war ich natürlich um einiges weiter, jedoch stellten sich mir nun viele Folgefragen:

 

Ich wusste nun zwar, dass es funktioniert, aber gäbe es Einsätze wo eine solche Übung hilfreich ist?

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, befragte ich andere Feuerwehren. Hier konnte ich direkt ein paar Beinahe Unfälle sammeln.
Vom Feuerwehrmann der durch eine Decke, in einen vollgelaufenen Keller gestürzt ist, einen durch Null-Sicht unbemerkten Pool in einem Hotel oder Privathaus, über Einsätze an offenen Gewässer bei Schiffbränden, bis hin zu einem Einsatz in einem, durch Hochwasser 10cm bedeckten Garten, indem der Gartenpool nicht zu erkennen war, wurde alles berichtet. Nun stellte sich die Einsatzgefahr doch höher da, als zunächst angenommen.
Hier sollte man mal in seinem eigenen Einsatzgebiet nachschauen, wie viele Pools und andere Gewässer (wie z.B. Gartenteiche, Seen, Flüsse) man findet bei denen man einen Einsatz unter Atemschutz haben könnte.

 

Können die Geräte überhaupt den Tauchvorgang ohne technische Probleme abhaben?

Wer könnte diese Frage besser beantworten als ein Hersteller, also wendete ich mich an die Firmen Dräger Safety AG & Co KGaA und Bartels Rieger Atemschutztechnik GmbH & Co.KG. Dräger teilte mir mit das deren Pressluftatmer nicht für die Benutzung im Wasser geeignet sind. Die gleiche Antwort teilte Bartels Rieger mit. Sie wiesen daraufhin, dass die Geräte unter Wasser Schäden nehmen und von einer sicheren Funktion als Atemschutzgeräte im Innenangriff kann nicht mehr ausgegangen werden. Ebenfalls sandte Bartels Rieger mir Ihre Gebrauchsanweisung mit, in der klar steht, das die Geräte für den Unterwassereinsatz nicht geeignet sind.
Vor allem der Druckminderer kann Schaden nehmen, indem Wasser eindringt und durch die im Druckminder entstehende Kälte vereisen und dieses Eis die Funktion des Druckminderes beschädigen.
Aus diesem Grund ist es wichtig, dass nach einem Wassergang auf jeden Fall das Gerät einer generellen Prüfung unterzogen wird und ein Austausch des Druckminder stattfindet.

 

Gibt es Tipps und Tricks die man bei einer entsprechenden Übung beachten muss/sollte?

Da es mehrere Risiken gibt, wie z.B.

– Mögliche technische Probleme, wie das Vereisen von Ventilen
– Unkontrollierter Luftverlust durch Beschädigung des Luftversorgungssystems
– Barotraumen durch mangelhaften Druckausgleich bis hin zur
– Dekompressionserkrankung beim zu schnellem Auftauchen (Dekompression),

sollte grundsätzlich ein Sicherungstaucher und ein Tauchlehrer dabei sein, die eine vorherige Einweisung erteilt haben. Herr Thanner wies mich extra daraufhin, das man lernen muss, wie die richtige Haltung des Kopfes ist, um ein unkontrolliertes Abblasen der Luft zu verhindern.

 

Hier wird der Kopf richtig gehalten und der Atemregler bläst nicht unkontrolliert Luft ab.

Dies muss vorher trainiert werden, daher empfiehlt es sich bei solchen Übungen grundsätzlich eine Tauchschule hinzuzuziehen, da diese auch den Sicherungstaucher stellen kann.

 

 

Ohne Training kommt es zum unkontrollierten, gefährlichen Abblasen des Atemreglers.

 

Des Weiteren sollte man solchen Übungen nur mit ausrangierten Pressluftatmer machen oder kurz vor der 6-Jahresprüfung, da dort sowieso der Druckminderer gewechselt wird und so keine zusätzlichen Kosten entstehen. Ebenfalls ist zu beachten, dass die Restdruckwarnung nicht im Wasser funktioniert, daher muss unbedingt eine Atemschutzüberwachung durchgeführt werden.
Die Maskenwölbung macht das Sehfeld gekrümmt, daher sollte man nur langsam ins Wasser vorgehen, um sich an die neue Situation zu gewöhnen. Ebenfalls ist der Druckausgleich zu beachten, da man sich mit den Masken nicht die Nase zu halten kann, muss der Druckausgleich durch „Schlucken“ erfolgen. Dies muss vorher unbedingt mit einem Tauchlehrer geübt werden.

Sollte man die Übung mit kompletter Schutzausrüstung üben, muss diese ebenfalls danach geprüft werden.

 

Fazit:

Ohne professionelles Training und Absicherung durch einen Rettungstaucher ist ein Abtauchen mit dem Atemschutzgerät aus Sicherheitsgründen nicht zu empfehlen!
Jedoch halte ich eine solche Übung lehrreich und wenn man außerdem alle Sicherheitsaspekte beachtet, macht das ganze auch eine Menge Spaß.
Um im Falle eines solchen, realistischen Einsatz gerüstet zu sein, sollte man dies mit seiner Feuerwehr durchführen, jedoch muss hier auch klar gesagt sein, das andere Ausbildungsthemen eine höhere Priorität zugeschrieben werden muss.
Bevor dieser Atemschutznotfall trainiert wird, sollten doch die grundsätzlichen Rettungen geschult werden.
FW-Netz Autor Irakli West konnte mir übrigens mitteilen, dass es in anderen Ländern „Rauchtaucher“ genannt wird, da dieses Erlebnis dem wohl am nächsten kommt.

 

Quellen:

Hier möchte ich nicht nur die Quellen angeben, sondern mich herzlich bei den folgenden Personen bedanken, die mir schnell und sehr hilfreich meine Fragen beantwortet haben.

Irakli West (www.fw-netz.de)
Stefan Thanner (www.ffw-markt-eschlkam.de)
– Alle Bilderrechte bleiben bei der Feuerwehr Markt-Eschlkam, ich durfte diese in Absprache mit Herrn Thanner benutzen.
Firma Dräger Safety AG & Co KGaA
Bartels Rieger Atemschutztechnik GmbH & Co.KG

 




1 Antwort : “Mit dem Pressluftatmer auf Tauchstation”

  1. Wir vom Tauchsportzentrum Hohen Bogen Winkel haben der Feuerwehr Eschlkam das „Tauchtraining “ angeboten. Ziel war esb nie, das Tauchen zu lehren. Es ging um das Verhalten bei einem Unfall im Einsatz und um die Selbstrettung.
    Die Bilder stammen von mir. Bitte beachten, dass ausschließlich ich die Reche an den Bildern besitze. Weitere Fragen oder Anfragen für ein Training? Scheut euch nicht, mit mit Kontakt aufzunehmen.
    Schöne Grüsse.
    Adi Miethaner, Feuerwehr Eschlkam
    http://www.tauchsportzentrum.com

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