Wir sind doch Freiwillige

Oftmals hört man in der deutschen Feuerwehrwelt das Argument: „Wir sind doch Freiwillige“.

Dieser Ausspruch wird oft als Argument oder besser als Entschuldigung genutzt, egal ob es um die Hierarchie oder auch um die Ausbildung geht.

 

 

Der „kleine Unterschied“

Feuerwehr basiert wie fast jeder Verein und auch jedes Unternehmen auf einer Hierarchie. Egal ob Freiwillige Feuerwehr, Berufsfeuerwehr, Pflichtfeuerwehr, Werkfeuerwehr – Es gibt Verbandführer, Zugführer, Gruppenführer und eben die Mannschaften. Hier muss, gerade bei den Mannschaften, ein breites Verständnis dafür geschaffen werden, dass das Führungspersonal eine erweiterte Ausbildung betreibt, gar betreiben muss!

Bekleidet man eine Führungsposition so muss man das Handwerkzeug eines Feuerwehrmannes beherrschen, man muss es meiner Ansicht nach sogar immer ein wenig besser beherrschen – denn es gilt Auszubilden und Anzuleiten und schließlich ist man immer auch Vorbild.

Zusätzlich muss Führungspersonal aber auch die Aufgaben eines Führers beüben – Planübungen, Ausbildungsveranstaltungen nur mit Führungspersonal (Unterrichte, erarbeiten von Handlungsabläufen etc.) – Dies wird von Mannschaften jedoch hin und wieder als hochnäsig oder ausgrenzend gesehen, ist aber Notwendig – In einem Autohaus macht kein Mitarbeiter seinem Chef einen Vorwurf wenn dieser einen Lehrgang „Personalführung“ oder eine Fortbildung im „Rechnungswesen“ besucht.

Klar pflegen wir unter Kameraden ein freundschaftliches Verhältnis egal ob Truppmann oder Zugführer, dies darf jedoch nicht in die Richtung ausufern dass die Mannschaft im Einsatz selbständig handelt oder die Führung gar ignoriert – auch ein gerechtes doch scharfes Wort, eine Rüge muss möglich sein ohne dass jemand beleidigt reagiert und bei den nächsten vier Ausbildungen nicht mehr erscheint. Im Gegensatz dazu muss man als Führungskraft auch die charakterliche Größe aufweisen Fehler zu zugeben und sich auch für ungerechtfertigtes Verhalten zu entschuldigen. Dies wird sicher nicht als schwäche aufgenommen sondern demonstriert Größe und charakterliche Stärke.

 

Klare Verhältnisse

Entschlossen vorgehen muss man jedoch gegen die beliebte Ausrede: „Wir sind immerhin Freiwillige, da lasse ich mich nicht so anmachen!“ – Grundsätzlich sollte niemand angemacht werden, ein scharfes Wort im Einsatz muss aber möglich sein – wie immer: Sofern gerechtfertigt!

Eine Gruppe wird im Brandeinsatz niemals rein kooperativ unter Verwendung der Auftragstaktik geführt werden können – die Zeit ist immer ein kritischer Faktor und wir können uns nicht erlauben diesen ins unendliche zu dehnen.

„Angriffstrupp zur Menschenrettung mit Steckleiter ins 1. OG vor“ muss vom Angriffstrupp verstanden und ausgeführt werden. Eine Diskussion über den Sinn und Zweck des Einsatzmittels „Steckleiter“ ist in dieser Lage müßig. Rüstet sich der Trupp stattdessen zur Brandbekämpfung und geht durch den Haupteingang in den verrauchten Hausflur vor, so möchte ich den Einheitsführer sehen der nicht zumindest kurzfristig mit der Fassung ringt.

Im Innenangriff verhält es sich genauso. Der Angriffstrupp muss gut ausgebildet sein, um die Hierarchie wissen und diese auch achten. Steht er in einem völlig verrauchten Flur vor einer Tür, ist die Öffnung mit dem Einheitsführer abzusprechen, eigenwilliges handeln kann unverrauchte Bereiche gefährden – evtl. gibt es einen „sicheren“ Zugang zum dahinter liegenden Raum. In meiner Truppführerausbildung lernte ich einmal: „Der Angriffstrupp ist das 3. Auge des Gruppenführer“ hinter diesem Ausspruch stehe ich auch Heute noch, ein gutes Team spricht sich ab, kommuniziert ständig miteinander – akzeptiert jedoch auch Entscheidungen der übergeordneten Ebene ohne zu diskutieren.

Auch die Mannschaft im Außenangriff muss ausreichend diszipliniert sein und um Ihre Aufgaben wissen. Unautorisierte Wasserabgabe in einen Brandraum von außen kann z.B. fatale Folgen haben sollte in diesem Raum zeitgleich ein Innenangriff stattfinden (Innenangriff schließt Außenangriff aus)

 

Das Getriebe im System

Egal ob wir eine Freiwillige Feuerwehr oder eine Berufsfeuerwehr sind, unserer Organisation basiert nicht ohne Grund auf einer Hierarchie. Einsätze können wir erst effektiv und sicher abarbeiten wenn alle Zahnräder ineinander greifen. Der Angriffstrupp gibt regelmäßige und gute Lagemeldungen an den Einheitsführer, dieser wiederum muss auch wichtige Lageinformationen an seinen Angriffstrupp zurückgeben. Ventilationsmaßnahmen und Türöffnungen müssen in Absprache erfolgen. Die Mannschaft im Außenangriff muss Ihre Aufgaben genau kennen und nicht „schießwütig“ Wasser auf jede entdeckte Flamme spritzen.

Dieses Zusammenspiel der verschiedenen Zahnräder perfekt zu beherrschen ist die Kunst des „Handwerks Feuerwehr“ und erfordert ständiges und stetiges Training. Der Lohn dieses Trainings ist der Erfolg! Und ist Erfolg nicht der schönste Lohn?

Training ist die Säule des Erfolgs“





9 Antworten : “Wir sind doch Freiwillige”

  1. Patrick Dau sagt:

    Whow! Sehr gut geschrieben, müsste in jeder Wache hängen!

  2. Ich bemerke gerade in der „jüngeren Generation“ immer öfter den Hang, Entscheidungen der Führung in Frage zu stellen. Doch bei einem Feuerwehr- Einsatz kann es keine „demokratische Meinungsfindung“ geben, dadurch wird der Einsatzerfolg fast immer in Frage gestellt.
    Geht dann etwas schief, beruft man sich plötzlich wieder darauf, dass ja schließlich die Führung für alles verantwortlich ist: Hatte jemand versucht, seine eigenen Ideen gegen den Einsatzbefehl durchzusetzen, wird dem Einheitsführer mangelnde Autorität unterstellt,war die Entscheidung des Führers nicht optimal, hat natürlich jeder vorher schon gewusst, dass er unfähig ist.
    Der Abgrenzung von einer -in der Vorstellung vieler Freiwilliger- BF voller „Amtsschimmel schwingenden Dienstvorschrifts- hörigen Dogmatikern“, die bei diesem Ausspruch immer mitschwingt, wird von den gleichen Leuten dann widersprochen, wenn es in anderen Bereichen z.B. um Ausrüstung geht. Dann heißt es merkwürdigerweise immer: „Unsere Feuer brennen doch genauso heiß!“
    Aber wie eingangs des Artikels schon angerissen wurde: Der unwillige Spruch in der Überschrift kommt hauptsächlichst von Angehörigen, die
    a) keine Lust zu Fortbildungen haben („Braucht man doch eh´ nicht!“), oder
    b)aufgrund der Unzufriedenheit mit ihrem eigenen „Rang“ in der Hierarchie anderen die „Befehlsgewalt“ neiden, sich den Kameraden nicht unterordnen wollen.
    Und oft vereinen sich a) und b) auch noch in der selben Person…

    • Bastian Helmich sagt:

      Ich finde eher ältere Feuerwehrleute stellen die Entscheidungen des GF oder EL in Frage ,vor allem wenn dieser (deutlich) jünger ist. Als jüngerer Feuerwehrmann stellt man sich Entscheidungen des Gruppenführers doch nicht in den Weg ,weil doch grade dem jüngeren noch Erfahrung fehlt(in den meisten Fällen).

    • Sehr schöner und ergänzender Kommentar. Leider ist es oft so. Technik wollen alle, damit üben nur wenige. Das Sagen haben wollen auch viele -> die Lehrgänge dafür absolvieren wieder einige weniger -> sich nach absolvieren der Lehrgänge angemessen Engagieren nur noch wenige… geht durch fast alle Feuerwehren und ist unabhängig vom Alter

  3. Sehr guter Bericht.

    Ich bin seit einigen Jahren Gruppenführer in einer kleinen Einheit, was ich schon einmal als sehr großen Vorteil sehe.

    Ich rede jetzt so wie mir die Schnauze gewachsen ist:-)

    ICH habe zu diesem Thema eine sehr Diktatorische Einstellung!!!
    Im Einsatz bin ich der Gruppenfürhrer (Der Chef im Ring) wenn ich sage:“… über Steckleiter in das erste OG, Vor“ gibt es da keine Diskusionen. Und in dieser Lage zeigt sich eine gute Führungskraft! Sollte einer meiner Kameraden diskutieren oder gar einen Befehl missachten, wird er von mir zurechtgewiesen oder sogar aus dem Einsatz genommen.
    Dazu muß ich sagen das ich das Verhalten vieler Fühungskräfte nicht gut finde. Man muß der Mannschaft bei Übungen klar machen und auch erklähren wie man Entscheidungen trifft und nicht alles erklähren kann (ich will das Du das so und so tust wiel das so und so ist).
    Und klare Worte sind das Beste. Wenn sich bei uns einer auf den Schlipps getreten fühlt wird nach dem Einsatz das Gespräch gesucht und reiner Tisch gemacht. Und bei Feuerwehrleuten die die Sache ernst nehmen sollte das auch klappen. Klar ist das unser Hobby und nach Einsätzen und Übungen sind wir alle Kameraden und haben unseren Spaß, aber im Einsatz hilft uns nur Disziplin und gute Zusammenarbeit und das kann nur klappen wenn EINER alles koordiniert und keiner querschiest.
    Gruß Alex

  4. Andreas sagt:

    Großes Lob Michael, das ist ein sehr guter Beitrag.

    Zu erwähnen bleibt noch, dass auch bei einer übersichtlichen Einsatzstelle und bei den Nachlöscharbeiten das Führen von dem Führungspersonal nicht vergessen werden darf.
    Erst vor kurzen habe ich es elebt, dass sich die Mannschaft mehrerer Ortsteile im Bereitstellungsraum aufhielt, als ein Gruppenführer von der Einsatzstelle zurück kommt mit den Worten:
    „Kommen mal gerade zwei Mann mit, Steckleiter holen.“
    Es fühlte sich keiner Angesprochen.
    Befehle brauchen einen eindeutigen Adressaten:
    „Ihr zwei(drei) Steckleiter vom Fahrzeug und zur Einsatzstelle.“
    Dies setzt natürlich auch wieder die Disziplin der Mannschaft vorraus, sich an einem festgelegten Ort in Bereitschaft zu halten, dass der Einheitsführer sofort erreichen kann, ohne zu suchen. Und ich muss zugeben, das fällt mir auch nicht immer leicht.

    Gruß Andreas

  5. Volker sagt:

    Sehr schöner Bericht.

    Ich denke es hängt, aber auch immer damit zusammen wie ich mich als GF in der „Vereinszeit“ gebe. Wenn ich auf Festen oder ähnlichen mit den Jungs und Mädels an der Bierbude stehen und mit denen Blödsinn machen, bekomme ich mehr Respekt als wenn mich auf Festen nur zu Führungspersonen stelle und Politik mache.
    Ein anderer wichtiger Punkt ist, wie ich in Übungen mein Wissen weitergebe, wenn man einen auf altklug macht dann blockt die Mannschaft schnell ab und man ist unten durch.
    Zum Thema alte FM hören nicht auf jungen GF. Ich bin mit 22 GF gewurden (also verdammt jung), ich versuche aber immer die älteren Kameraden mit einzubinden. Auch bei Einsätzen, zum Beispiel wenn einer kommt und sagt früher haben wir das so und so gemacht. Dann nicht direkt sagen ich bin hier der Chef und früher interessiert micht nicht, sondern auch mal überlegen ob das geht.
    Natürlich bei einem Wohnungsbrand mit Menschleben in Gefahr, sollte man der unangefochtene Chef sein der den Ton angibt.

  6. Zu diesem Thema gab es während meiner TM-Ausbildung eine Ansage, die ich nicht vergessen werde:

    Wir sind eine freiwillige Feuerwehr!
    Ihr dürft freiwillig eintreten und freiwillig austreten – alles andere dazwischen ist eben nicht freiwillig.

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