Suchtechniken – einfache Techniken zum Absuchen von Wohnungen und Räumen

Das Absuchen von verrauchten Wohnungen und Räumen ist aufgrund der eingeschränkten Sicht nicht leicht zu bewerkstelligen, daher ist ein planmäßiges Vorgehen sinnvoll.

Es gibt verschiedene Techniken für das Absuchen von Räumen bzw. Wohnungen, die die Arbeit des Trupps im Innenangriff zwar nicht leichter machen, aber ihm dabei helfen nicht die Orientierung zu verlieren.

Die Suchtechnik sollte in der eigenen Feuerwehr festgelegt werden und mit den Nachbarfeuerwehren abgestimmt werden, um doppelten Aufwand zu ersparen und ein schnelles Vorgehen zu ermöglichen. Der Truppführer sollte auch über Funk den Gruppenführer informieren in welcher Richtung er mit der Suche beginnt, z.B. „Hier Atemschutztrupp 1. Beginnen mit der Suche auf der rechten Seite in der Wohnung.“ Ebenso sollte der Truppführer mitteilen wenn ein Raum betreten und abgesucht wird und wenn der Raum verlassen wird.

Das Ziel der Suche im Innenangriff ist es entweder eine oder mehrere vermisste Personen oder Tiere zu finden oder den Brand zu entdecken und zu bekämpfen.

 

Linke-Hand-Suche

Die Linke-Hand-Suche ist einfach erklärt:

Der Trupp im Innenangriff orientiert sich mit der linken Hand an der Wand und geht so in der Wohnung vor (also im Uhrzeigersinn). Er sucht ebenfalls die Räume in der Reihenfolge in der Wohnung ab.

 

 

 

 

Rechte-Hand-Suche

Die Rechte-Hand-Suche ist die umgekehrte Variante der Linke-Hand-Suche.

Der Trupp im Innenangriff orientiert sich hierbei mit der rechten Hand an der Wand und geht so in der Wohnung vor (also gegen den Uhrzeigersinn). Er sucht auch hier  die Räume in der Reihenfolge in der Wohnung ab.

 

 

 

Wandtechnik

Die Wandtechnik ist eine Suchtechnik für Räume und ergänzend zur Linke- bzw. Rechte-Hand-Suche.

Bei der Wandtechnik wird der Raum entlang der Wand abgesucht und Hindernisse wie Tische, Schränke mit dem Arm oder z.B. dem Stiel der Feuerwehraxt abgetastet ob sich in dem Bereich Personen befinden, dabei sollte man unbedingt auch unter Betten, Tischen und in Schränken suchen, da sich Kinder gerne verstecken.

Bei Abtasten mit der Feuerwehraxt oder einem anderen Hilfsmittel ist zu beachten, dass man nicht mit scharfen Kanten, Spitzen oder ähnlichem die Bereiche absucht aufgrund der Verletzungsgefahr für die vermisste Person.

 

Tauchertechnik

Die Tauchertechnik ist eine andere Suchtechnik für Räume und eignet sich besonders für größere Räume.

Bei der Tauchtechnik sucht der Truppmann (TM) den Raum nach und nach ab und wird dabei vom Truppführer (TF) mit einer Leine geführt. Es kann aber auch der TF absuchen und der TM führen.

Der Trupp bewegt sich beim Betreten des Raumes mittels Linke- bzw. Rechte-Hand-Suche in eine Ecke des Raumes und beginnt dann mit dem Absuchen des Raumes.

Der Truppmann bewegt sich dabei in immer größer werdenden Radien und wird dabei durch die Leine vom Truppführer geführt.

 

Baumtechnik

Die Baumtechnik ist eine Suchtechnik die für große Räume oder Säle geeignet.

Der Stamm (hier als Führungsleine gekennzeichnet) kann aus einer Leine oder einem Schlauch bestehen. Die Äste gehen von dem Stamm ab, dort wird dann die Wand- oder Tauchertechnik zum Suchen angewandt.

 

Hinweis:

Bei allen Suchtechniken sollte drauf geachtet werden, dass beim Betreten des Raumes zunächst ein kurzer Blick hinter die Tür geworfen wird. Da Menschen bei Gefahr die Flucht antreten und in Richtung der Tür rennen, wenn dies nun nicht geschafft wird brechen Sie im Bereich der Tür zusammen. Sucht man nun als letztes hinter der Tür, wäre dies ungünstig, deswegen sollte man einen kurzen Blick hinter die Tür werfen und dann mit der ausgewählten Suchtechnik beginnen.

 

Die Anzahl der Räume, die ein Trupp effektiv absuchen kann, ist durch die begrenzte Einsatzzeit einen Trupps unter Atemschutz und durch die Größe der Räume beschränkt.

 

Quellen:

Verhalten im Innenangriff (Sonderheft des Feuerwehr-Magazins), Atemschutz (Reihe Einsatzpraxis, ecomed Sicherheit, 4. Auflage 2004), Ausbildungsfolien Suchen und Retten bei Brandeinsätzen (Reihe Einsatzpraxis, ecomed Sicherheit, 2006)

 

 




14 Antworten : “Suchtechniken – einfache Techniken zum Absuchen von Wohnungen und Räumen”

  1. Prima Artikel!
    Mir gefällt besonders die kurze und damit erprägsame Erklärung der jeweiligen Techniken. Und durch die Grafiken wird es noch anschaulicher.
    Gruß
    UW

  2. Philipp sagt:

    Hallo,

    ich finde den Artikel Grundlegen gut strukturiert und informativ. Da Ihr noch in der Anfangsphase seit, hier ein paar Tips:

    – Linke-Hand-Suche und Rechte-Hand-Suche sind keine Alternativtechniken zur Wand- oder Tauchertechnik. Es handelt sich hier eher um eine Vorgehensweise.

    – Feuerwehraxt, – beil oder ähnliche Gegenstände immer am breiten Ende anfassen. So verhindert man, dass man eine Person mit der spitzen Seite verletzt.

    – Wenn der TF bei der Tauchertechnik den Raum absucht, sollte man darauf achten das der TM ein Funkgerät besitzt. Schließlich befindet dieser sich im „sicheren“ Bereich.

    – Die Baumtechnik eignet sich theoretisch für das absuchen von großen Räumen. Praktisch ist Sie allerdings kaum umsetzbar. Eine gute Alternative ist hier eine Kombination aus Wand- und Tauchertechnik

    Das war es von meiner Seite. Bei Fragen, fragen! Ansonsten viel Erfolg weiterhin 😉

    • Hallo Philipp,

      zuerst einmal Danke für dein Feedback und jetzt zu deinen Tipps:

      – Linke- bzw. Rechte-Hand-Suche: Im Titel steht ja schon für „Wohnungen und Räume“ und bei Wand- bzw. Tauchertechnik steht „Suchtechnik für Räume und ergänzend zur Linke- bzw. Rechte-Hand-Suche“

      – zum Thema Feuerwehraxt: „Bei Abtasten mit der Feuerwehraxt oder einem anderen Hilfsmittel ist zu beachten, dass man nicht mit scharfen Kanten, Spitzen oder ähnlichem die Bereiche absucht aufgrund der Verletzungsgefahr für die vermisste Person.“

      – TF bei der Tauchertechnik: Gebe ich dir vollkommen Recht, aber wir wollten nur einen Überblick über die unterschiedlichen Suchtechniken geben (siehe Titel) und nicht über die Ausstattung der Trupps.

      – Bei der Baumtechnik gebe ich dir auch vollkommen Recht. Ich habe sie nur aufgrund der Vollständigkeit aufgeführt.

      Noch Fragen, dann gerne auch per Mail.

      Gruß Florian

  3. Hoi,

    nette Zusammenfassung. Ähnlich einfach, aber imho ausführlicher ist allerdings http://www.osnabruecker-praxisseminar.de/pdf/suchtechnik.pdf

    Ich für meinen Teil halte den Einsatz der Tauchertechnik für relativ unrealistisch. Mir ist auch kein Einsatz bekannt, wo diese jemals eingesetzt wurde. Ist halt ein Baustein im Wissensbaukasten, den man kennen kann, aber nicht zwingend muss.

    Baumtechnik, bzw. Leinensuchsysteme haben sich iirc bislang auch nicht wirklich durchgesetzt.

    Die dargestellte Vorgehensweise von Linke- & Rechte Handsuche (die imho nichts anderes, als die Wandtechnik ist) halte ich für meinen Teil für nicht gut. Sicherlich gibts da andere Meinungen. Zu glauben, man könnte mit einem Trupp mehr als 3 Räume realistisch absuchen ist imho nicht realistisch.

    Vielleicht sollte man sich über 10 Jahre nach Erstveröffentlichung dieser Techniken mal Gedanken drüber machen, ob man nicht ein wenig Optimierungsarbeit leistet, statt altbekanntes einfach zu wiederholen.

    Ist aber alles meine Meinung und nicht zwangsläufig die Meinung des Teams atemschutzunfaelle.eu 🙂

    mfg

    Ingo

    • Hallo Ingo,

      mir ging es darum einen kurzen und einprägsamen Überblick über die aktuellen Suchtechniken zugeben.

      Die Darstellung der Linke- & Rechte-Hand-Suche ist nur als Veranschaulichung der Vorgehensweise in einer Wohnung gedacht.
      Die Anzahl der Räume, die ein Trupp effektiv absuchen kann, ist natürlich durch die begrenzte Einsatzzeit, die Größe der Räume usw. beschränkt.

      Gruß Florian

    • Hallo Ingo,

      dann lass dochmal hören was du neues auf lager hast!?

      Über das alt hergebrachte abzuurteilen ohne etwas grundlegend neues auf Lager zu haben ist einfach.

      Zu den Suchtechniken:
      Die Wand ob rechts oder links ist überall bekannt u alle sprechen hierbei die gleiche Sprache.
      Diese sollte zur Grundausbildung von PA-Trägern gehören.
      verfeinern kann man das in Fortbildungen zu Hause, den dieses ist für mich mit der wichtigste Baustein!
      Ständige Fortbildung und üben des gelernten..

      Gruss Mitschi

      • Hi,

        Wenn ich was grundlegend neues auf Lager hätte, würde ich es veröffentlichen 🙂
        Ich verurteile auch die alten Veröffentlichungen nicht. Wenn allerdings im Jahr 2011 jemand mal wieder einen Artikel über Suchtechniken verfasst, hätte ich persönlich erwartet, dass vielleicht der ein oder andere „neue“ Aspekt, wie z.B. eine Beurteilung der Techniken auf ihre Praxistauglichkeit, oder die Verbindung von WBK und Ventilationsmaßnahmen im Zusammenhang mit den Suchtechniken.
        Interessant ist auch die Variante „VES“ (Vent Enter Search), die Jan Südmersen iirc mal vorgestellt hat. Auch sowas könnte man beleuchten. Ich war schlicht ein wenig enttäuscht, dass eine neue Veröffentlichung zu dem Thema kein Stück Optimierungsarbeit anbietet, sondern einfach nur eine Wiederholung bereits bestehender Übersichten darstellt.

        MfG

        Ingo

        • Hallo Ingo,

          wie schon einmal geschrieben habe, ging es mir darum einen kurzen und einprägsamen Überblick über die aktuellen Suchtechniken zugeben.

          Es werden ja auch noch andere Artikel kommen, die die andere Bereiche erfassen und/oder diskutieren 😀

          MfG
          Florian

  4. Markus H. sagt:

    Hi,

    bezüglich Baumtechnik geb ich Ingo Recht.

    Ebenso würde ich die linke-Hand / rechte-Hand Suche mit der Wandtechnik gleichsetzen, da es erfahrungsgemäß draußen so abläuft.

    Bei den 3 Räumen widerspreche ich Ingo. Das ist von den örtlichen Gegebenheiten abhängig und es gibt Objekte in denen das möglich ist, wenn der Trupp unter Nullsicht geübt ist.

    Ein möglicher Verbesserungsvorschlag zur Optimierung der Wandtechnik wäre, dass der Gruppenführer die Suchrichtung festlegt (ggf. aufgrund Erkenntnisse aus der ersten Erkundung).
    Der ersteintreffende GF legt die Suchrichtung der Trupps fest und notiert dies entsprechend im Rahmen der Atemschutzüberwachung. Dies erspart den vorgehenden Trupps unnötigen Funkverkehr und der GF weiß wo seine Leute wie vorgehen.

    schöne Grüße,

    Markus

    • Hallo Markus,

      bezüglich der Baumtechnik gebe ich dir und Ingo Recht.
      Sie ist zwecks der Vollständigkeit der Techniken aufgeführt.

      Im Titel steht ja schon für “Wohnungen und Räume” und bei Wand- bzw. Tauchertechnik steht “Suchtechnik für Räume und ergänzend zur Linke- bzw. Rechte-Hand-Suche”.

      Zum Thema „3 Räume“ habe ich schon bei Ingo geschrieben: „Die Anzahl der Räume, die ein Trupp effektiv absuchen kann, ist natürlich durch die begrenzte Einsatzzeit, die Größe der Räume usw. beschränkt.“
      Also wie du schon schreibst, hängt es von der örtlichen Begebenheiten und der Situation usw. ab.

      Zu deinem Verbesserungsvorschlag habe ich schon am Anfang geschrieben: „Die Suchtechnik sollte in der eigenen Feuerwehr festgelegt werden und mit den Nachbarfeuerwehren abgestimmt werden, um doppelten Aufwand zu ersparen und ein schnelles Vorgehen zu ermöglichen. Der Truppführer sollte auch über Funk den Gruppenführer informieren in welcher Richtung er mit der Suche beginnt, z.B. „Hier Atemschutztrupp 1. Beginnen mit der Suche auf der rechten Seite in der Wohnung.“ Ebenso sollte der Truppführer mitteilen wenn ein Raum betreten und abgesucht wird und wenn der Raum verlassen wird.“
      Man sollte hierbei aber nicht vergessen, dass der GF auf die Augen des Suchtrupps angewiesen ist und selber die Lage im Innenangriff nur von Außen beurteilen kann.

      Schöne Grüße
      Florian

  5. René sagt:

    Ich kann mich nur anschließen, wenn die Aussage im Raum steht, dass dies ein guter Artikel ist. Dem kann und möchte man auch nichts hinzufügen. Außer dass man (egal für welche Technik man entscheidet) es üben, üben und noch mal üben muss. Denn ich habe mal ein mir bekanntes Gebäude unter „Nullsicht“ abgesucht, und dies war alles längst nicht so einfach wie gedacht. Denn mit nur Räume absuchen ist es längst nicht getan. Weil man neben dem Suchen möglichst auch die Orientierung nicht verlieren sollte. Und abgesuchte Umgebung muss auch noch vom Angriffstrupp ständig beurteilt werden. Und wenn dann noch die ASÜ alle paar Minuten die Drücke abfragt, dann ist man gut unter „Stress“. Also was ich sagen möchte ist, dass man wirklich üben muss. Denn die mitgeführte Leine stellt die Hauptherausforderung dar. Denn es passiert sehr schnell, dass man die Leine überall hat. Nur nicht dort wo man sie braucht. Am Fuss, an der Flasche oder an einem Möbelstück usw. Im diesen Sinne viel Spass bei der nächsten Übung 😉 🙂

  6. Eine Ergänzung hätte ich noch: Die Ping-Pong-Technik. Sie eignet sich für grosse, freie Räume wie z. B. Tiefgaragen oder Lagerhallen. Der eine Truppmann stellt sich an die linke wand, der andere an die rechte. Der Dritte ist quasi der Ping-Pong Ball welcher entlang des gespannten Truppverbindungsseiles hin und herläuft und dabei absucht. immer wenn er bei einen der äussern ankommt, gibt er das Kommando an alle, einen Schritt nach vorne zu gehen. Das ist eine sehr schnelle und gründliche Art, grosse und freie resp. nur wenig verstellte Räume abzusuchen.

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